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Kurzzeitvermietung: Fluch für den Wohnungsmarkt

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Es ist ein schleichender Prozess, der sich in vielen deutschen Städten nach dem gleichen Muster vollzieht. Eine Wohnung nach der anderen verschwindet vom regulären Mietmarkt und taucht kurz darauf als Ferienunterkunft wieder auf – oft mit elektronischem Türschloss und ständig wechselnden Gästen. Zurück bleiben Nachbarn, die sich über Lärm beschweren, und Wohnungssuchende, die in einem immer enger werdenden Markt kaum noch eine bezahlbare Bleibe finden.

Die Plattformökonomie hat den Städtetourismus revolutioniert – aber zu einem Preis, den vor allem Mieter zahlen.

Die Zahlen: Wie kommerzielle Kurzzeitvermietung dem Mietmarkt Wohnraum entzieht
In Berlin werden rund 12.000 Wohnungen dauerhaft als Ferienunterkünfte angeboten, in München etwa 6.500 und in Hamburg knapp 5.000. In den Innenstadtbezirken der sieben größten deutschen Städte sind durchschnittlich 2,5 Prozent aller Wohnungen als Ferienunterkünfte gelistet – in manchen Vierteln sogar über acht Prozent. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Wohnungen, genau das Segment, in dem der Nachfragedruck am höchsten ist.

Der Mechanismus: Warum sich Kurzzeitvermietung für Eigentümer lohnt
Eine Zweizimmerwohnung, die als normale Mietwohnung 800 Euro Kaltmiete bringt, kann als Ferienunterkunft bei guter Auslastung das Drei- bis Vierfache einspielen. Das führt zu einem doppelten Verdrängungseffekt: Wohnraum wird dem langfristigen Mietmarkt entzogen und die Mieten für die verbliebenen Wohnungen steigen weiter an.

Regulierung: Was die Städte dagegen tun
Viele Städte haben Zweckentfremdungsverbote erlassen:

  • Berlin: Striktes Verbot ganzer Wohnungen als Ferienunterkünfte, Bußgelder bis 500.000 Euro.
  • München: Genehmigungspflicht, die in den meisten Fällen abgelehnt wird.
  • Hamburg: Registrierungspflicht mit sichtbarer Nummer auf den Plattformen.

Trotzdem bleibt der Vollzug schwierig. Die Plattformen sehen sich nur als Vermittler und die Kommunen sind personell oft überfordert.

Die Grauzone: Privatzimmer und steuerliche Tricks
Wer nur ein Zimmer oder bis zu 49 Prozent der Wohnung vermietet, bewegt sich oft in einer rechtlichen Grauzone. Viele Eigentümer nutzen dies systematisch aus. Hinzu kommen nicht deklarierte Einkünfte und die Kleinunternehmerregelung, die dem Staat jährlich hohe Steuerausfälle bescheren.

Jenseits der Metropolen
Auch in touristisch attraktiven Klein- und Mittelstädten sowie Ferienregionen (Ostsee, Mosel, Rhein) nimmt das Problem zu. In manchen Gemeinden liegt der Anteil der Ferienwohnungen bereits über zehn Prozent – mit dramatischen Folgen für die lokale Infrastruktur und den bezahlbaren Wohnraum.

Was Mieter tun können

  1. Illegale Ferienwohnungen bei der Stadt melden (oft anonym möglich).
  2. Mieterhöhungen kritisch prüfen und auf den Mietspiegel achten.
  3. Sich bei Mietervereinen und Bürgerinitiativen engagieren.

Fazit
Kurzzeitvermietung ist ein Symptom tieferliegender Probleme in der Wohnungspolitik. Konsequenter Vollzug der Zweckentfremdungsverbote, bessere Personalausstattung der Behörden und mehr Transparenz bei den Plattformen sind notwendig. Jede Wohnung, die dem regulären Mietmarkt zurückgewonnen wird, ist ein Gewinn für alle, die dauerhaft bezahlbaren Wohnraum suchen.